Grafschafter Onlinegalerie

Wir alle wissen, dass stationäre Kunstausstellungen geschlossen sind oder gar nicht erst eröffnet werden. Es ist zu befürchten, dass dieser Zustand noch ziemlich lange andauern wird.

Die Idee:
Auf der Seite www.kuenstler-grafschaft-bentheim.de wird eine Online-Ausstellung mit Arbeiten von KünstlerInnen aus der Grafschaft eingerichtet. Eine Arbeit pro Tag. Für viele Kunstliebhaber sicherlich ein Lichtblick in dieser ansonsten so trüben Zeit.

Bald geht es los!

Julia Siegmund – Künstler in der Grafschaft Bentheim

Julia Siegmund (Foto: © 2015 Wolfgang Weßling)
Julia Siegmund (Foto: © 2015 Wolfgang Weßling)


Julia Siegmund
*1974 in Friesoythe
lebt und arbeitet in Nordhorn und Münster
Website: www.juliasiegmund.de

Durchlässige Köpfe, verloren wirkende Körper, die auch noch dem Betrachter den Rücken zuwenden, Wörter, Geschriebenes und Textfragmente – das sind nur einige wiederkehrende Gestaltungselemente in der künstlerischen Arbeit von Julia Siegmund, die von Sensibilität, großer Spannung und einem hohen Grad an poetischer Verzauberung gekennzeichnet ist. Immer kommen einem Geschichten in den Sinn, die aber nie richtig konkret werden. Eindeutigkeiten gibt es nicht.

Beispielhaft  ist eine Wandzeichnung zu nennen. Ein Mann sitzt mit dem Rücken zum Betrachter, eine Hand aufgestützt, und sieht suchend in den imaginären Raum. Die weiße Wand ist die Projektionsfläche, auf die der Betrachter mit ihm blickt. Ein Naturfreund könnte das sein, der entspannt die  Gegend ansieht. Aber auch ein Einsamer, oder einer, der endlich die Welt frei in den Blick nehmen möchte. Drei Wörter sind zu der kleinen Szene gesetzt: „anderswo ist hier“. Der Betrachter wird in einen freien poetischen Raum geführt, und er kommt ins Reflektieren, Denken, Deuten. Julia Siegmund arbeitet mit einem Mix aus Zeichnung, Malerei, Installation und Wort und eröffnet dadurch mehrere Bedeutungshorizonte. Bezeichnend ist der Umgang mit der Linie in vielfältiger Form: als Fäden durch den Raum gespannt oder auf die Wand geklebt, im Tiefdruckverfahren gedruckt, gezeichnet, geschnitten, gekratzt, gemalt, gefräst oder pastos und reliefartig direkt aus der Tube gedrückt. Die entstandenen, kleinformatigen Bilder fügt sie oft zu einem erzählerisch wirkenden Tableau zusammen. 2016 erwarb die Kunstsammlung des Deutschens Bundestages solch eine 24-teilige Werkgruppe von Julia Siegmund.

Im Rahmen dieser Kombination aus verschiedenen Ausdrucksformen lässt sich die Künstlerin auch von dem bekannten österreichischen Lyriker H. C. Artmann inspirieren.  Wie sie selber sagt, entstehen beim Lesen der Texte Artmanns Bilder im Kopf.  Diese Bilder sind beileibe keine einfachen Illustrationen der Gedichte, die es bei den vom Surrealismus und Dadaismus geprägten H. C. Artmann auch kaum sein können. Die Bilder von Julia Siegmund sind abstrakt und leben von Andeutungen. Tiere und Menschen erscheinen in Umrissen oder sind in altmeisterlicher Art detailreich zusammengefügt. Die Verknüpfungen bleiben der Fantasie des Betrachters überlassen. Wer sich auf gedankliche Abenteuer begeben will, ist bei Julia Siegmunds Werk bestens aufgehoben.

(Text: Andreas Meistermann)

Harald Balke – Künstler in der Grafschaft Bentheim

Harald Balke (Foto: © 2014 Wolfgang Weßling)
Harald Balke (Foto: © 2014 Wolfgang Weßling)


Harald Balke
*1954 in Bad Rothenfelde,
lebt und arbeitet in Nordhorn
Email: harald.balke@t-online.de

Der genaue Blick hinter das scheinbar Offensichtliche macht das vor allem fotografische Werk des Nordhorner Künstlers balx alias Harald Balke aus. Geprägt hat ihn dabei die traditionelle japanische Kultur, die von der Philosophie des Zen-Buddhismus bestimmt ist. Die Konzentration auf das Wesentliche und die geistige Selbstversenkung sind hier die wesentlichen Merkmale. Einen Eindruck davon vermittelte Balke in der Ausstellung „Ryoanji – 15 Ansichten von Japan“, die 2011 im Bentheimer Atelier zu sehen war. Fasziniert zeigte sich Balke von dem berühmten Ryoanji-Garten in Kyoto. Der Garten besteht aus einer 30 mal 10 Meter umfassenden Fläche aus fein gerechtem Kies mit 15 scheinbar zufällig platzierten Steinen in fünf bemoosten Gruppen. Es ist ein Garten der Leerheit und des Nichts, der den Betrachter lehren soll, zu sehen, was nicht zu sehen ist, ein für Europäer nur schwer zu verstehendes Unterfangen. Eine Faszination üben für Balke auch die Menschen aus, deren Wesen von Sorgfältigkeit, Zurückhaltung und Aufmerksamkeit geprägt ist. Er zeigt aber gleichzeitig ein Land in seinen Widersprüchen, in dem westliche kulturelle Einflüsse sich Bahn gebrochen haben.

Neben Solo-Projekten ist das Werk von Harald Balke von der Zusammenarbeit mit der niederländischen Künstlerin Ellen Korth gekennzeichnet. Mit ihr entstand die Ausstellung NU 01. Darin stellten sie als ehemalige Zugezogene vor, wie sie aus ihrer Sicht die Grafschaft wahrnehmen, indem sie sich mit den dort lebenden Menschen auseinandersetzten Sie zeigten großformatige Fotos ihrer Freunde und spiegelten damit das Spektrum ihrer Verbindungen zu Menschen innerhalb und außerhalb der Grafschaft wider.

2015 folgte wieder mit Ellen Korth das Projekt „JA. NU!“, das beim Kunstverein Nordhorn ausgestellt wurde. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, persönliche Geschichten zu erzählen, die zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten passierten. Während ihres Urlaubs, der Balke nach Norwegen und Korth in den Süden führte, schickten sie sich gegenseitig per SMS die Aufforderung „JA. NU!“, was bedeutete, möglichst simultan Fotos von sich und der Umgebung zu machen, in der sie sich gerade befanden. In Verbindung mit dem Projekt ist auch ein aufwändig gestaltetes Buch entstanden.

Zur Zeit arbeitet Harald Balke an einem Langzeitprojekt mit dem Titel THANKS A LOT FOR COMING OUT TONIGHT, bei dem es um Jazz, Musiker, Musikintrumente, Mikrofone und um Musikperformances geht.

(Text: Andreas Meistermann)

Leni Winkelmann – Künstler in der Grafschaft Bentheim

Leni Winkelmann (Foto: © 2013 Wolfgang Weßling)
Leni Winkelmann (Foto: © 2013 Wolfgang Weßling)

Leni Winkelmann
*1955 in Gronau
lebt und arbeitet in Bad Bentheim
Website: www.leni-winkelmann.com 

Landschaften sind das große Thema des Werkes von Leni Winkelmann. Dabei ist es nicht die reine Wiedergabe oder die Idealisierung einer Landschaft, wie man sie im Allgemeinen aus der traditionellen Kunstgeschichte kennt, die ihre Malerei kennzeichnet. Vielmehr sind es Stimmungen, Eindrücke und Gedanken, die im Bild zum Ausdruck kommen. Einsamkeit und Stille, Licht und Schatten, Farbe und Raum, Realität und subjektives Erleben prägen das Werk, das sicherlich auch mit einem Bezug zur klassischen Romantik verbunden ist. Damals war das Malen einer  Landschaft  ebenfalls kein  Versuch einer objektiven Darstellung.  Es kündigte sich in der bildenden Kunst sowohl eine neue Einstellung zu einem subjektiven Erleben der Welt an als auch eine Wandlung in der Wahrnehmung von Erscheinungen, wie es sich in Bildern der damaligen Künstler wie Caspar David Friedrich, William Turner oder Eugene Delacroix zeigte. Wichtig war das Thema Landschaft und Natur auch in der Philosophie.  Angeregt durch Schriften Jean Jaques Rousseau gab es eine neue Sensibilität für die Natur und deren Wirkung auf die seelische Verfasstheit des Menschen. Leni Winkelmann drückt es etwas bescheidener aus:  „Ich versuche, eine andere Realität zustande zu bringen. Ich suche den Grenzbereich zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Schein und Sein.“

In einem Beitrag über Leni Winkelmann beschreibt die Kunsthistorikerin Sabrina Tesch die besondere Wirkung ihrer Bilder: „In der hektischen  und digitalisierten Welt von heute sind diese Landschaften Zufluchtsorte, vielleicht sogar ein kleiner Urlaub. Jedenfalls kann der Betrachter die Ruhe und die Einsamkeit, die auf ihn einwirkt, für sich genießen. Es ist Leni Winkelmanns poetische und sensible Art, Kunst zu schaffen, die den Betrachter verzaubern kann.“

Neben Ausstellungen außerhalb der Grafschaft Bentheim hat Leni Winkelmann ihre Werke auch mit großem Erfolg im heimischen Bad Bentheim (Bentheimer Atelier) und in weiteren Städten des hiesigen Landkreises wie Nordhorn (Atelier Sägemühle und Kunstverein Nordhorn) und Neuenhaus  (Kunstverein Grafschaft Bentheim) präsentiert.

(Text: Andreas Meistermann)Bearbeite